Foto-Club Appenzellerland auf Exkursion zum Fotografieren in der Glashütte HergiswilVier Clubmitglieder reisen zum Fotografieren in der Glashütte Hergiswil und fangen Feuer für die Glasbläserkunst! – Wir werden äusserst freundlich empfangen und unverzüglich in den Produktionsbereich geführt. Sieben Tonnen geschmolzenes Glas leuchten uns aus mehreren Öffnungen des zentralen Schmelzofens entgegen. Um diesen herum hantiert eine Riege kräftiger Männer emsig mit Blasrohren und anderen archaisch anmutenden Werkzeugen, mit Metall- und Holz-Formen und an eisernen Werkbänken. Der Fotograf steht hier vor zwei Herausforderungen: zum einen zügige Bewegungen durch komplexe Abläufe zu bewältigen und zum anderen extrem hohe Kontraste zwischen einerseits gleissend glühendem Glas, das beim Abkühlen schnell an Strahlkraft verliert, und andererseits dunklen Arbeitsinstrumenten zu berücksichtigen.

Am liebsten würden wir alle sofort den Produktionsbereich stürmen, würden gerne dem leuchtenden Glas mit unseren Kameras zu Leibe rücken. Aber vier Fotografen zwischen den Glasbläsern führen unweigerlich zur Behinderung der Arbeit. So bleiben jeweils zwei von uns im Turnus mit den beiden anderen auf der Zuschauertribüne, vier Meter über dem Geschehen. Die komfortable, erhöhte Position bietet uns gute Gelegenheit, die Abläufe an den verschiedenen Arbeitsplätzen zu studieren und mit der Kamera schon einmal aus der Vogelperspektive Teilbereiche zu erfassen.

Die direkte Annäherung an das glühende Glas im Arbeitsbereich ist dann trotz dieser Vorbereitung nicht einfach. Alles und alle sind ständig in Bewegung, Männer, Glas, Geräte. Immer gilt es sich mit zu bewegen, um die «richtige» Distanz zu wahren, weder zu stören, noch den «optimalen» Bildausschnitt zu verpassen. Die ruhigen, sicheren Bewegungen der Glasbläser täuschen Gemächlichkeit vor. Aber wir sehen bald, dass auch die Kameraeinstellungen extrem schnell den wechselnden Anforderungen angepasst werden müssen! Um den «richtigen» Zeitpunkt im Arbeitsablauf zu erwischen, hilft uns nur konzentriertes, wiederholtes Verfolgen der Abläufe.

Als grell leuchtende Masse, wie Honig dickflüssig, wird das Glas im Ofen auf das Ende des Blasrohres «gewickelt». Die so geschöpfte Glasmenge muss sehr genau abgemessen sein. Deshalb führen nur sehr gut ausgebildete Fachleute diesen Schritt aus. Die Portionen werden nun mit dem Blasrohr gedreht und gewendet, auf Stahlplatten gewälzt, zu Hohlkugeln geblasen, in Formen gestellt und aufgeblasen oder zum Pressen in Formen getropft. Wenn die glühenden Hohlkugeln in die gewässerten Formen gesenkt werden, steigt malerisch Dampf auf. Aus hölzernen Formen mischt sich am Ende der Rauch der verkohlenden Form dazu.

Bewegungen von Armen, Händen, an Hebeln und Pressen, das Formenblasen und Formendrehen – alles ist über Jahrhunderte zu einer Kunst gewachsen. Faszinierend! Hier werden, nach bewährter Tradition gleiche Formen-Serien nicht durch Messen und Wägen, sondern durch in langer Erfahrung gewachsenes, präzises Peilen und Schätzen hergestellt – und das mit bis zu sechs Kilo glühend heissem Glas am Ende des Glasbläserrohrs! Zum hochkonzentrierten, anstrengenden Arbeiten mit dem «Feuer», gesellt sich dann auch noch ein Kraftakt im Umgang mit dem Gewicht. Wobei, Achtung, erkaltetes Glas dann letztlich auch noch sehr zerbrechlich ist!

Wir Fotografen sind zu Gast in einem phantastischen Reich von Ur-Bildern aus Glut und Flammen, sprühendem Wasser, aus Dampf und Rauch – und delikaten, transparenten Gebilden! Den Verantwortlichen und den Mitarbeitern herzlichen Dank für ihre grosszügige Gastfreundschaft.

Die mild besonnte Terrasse direkt am Ufer des Vierwaldstätter-Sees, die Kaffeepause an frischer Luft und das feine Essen im Glasi-Restaurant geniessen wir in gelöster Stimmung. Herzlichen Dank, Johannes, Fritz und Max, Ihr habt mit anregenden Gesprächen, kreativem Ideenaustausch, gewürzt mit witzigen Kommentaren – kurz: mit innerem Feuer – die Hin- und Rückfahrt im Fluge vergehen lassen.

Bilder dieses tollen Ausfluges befinden sich in unserer Event-Galerie.

Manfred Weitz