Es ist doch immer wieder schön, die Koffer zu packen um dem tristen Alltag ein paar Stunden zu entfliehen. Umso schöner, wenn man dies mit einer Gruppe Menschen macht, mit welcher man schlicht Pferde stehlen könnte. Ja, die Chemie hat gestimmt. Es wurde gewitzelt und viel gelacht, gewandert, die schöne Natur bestaunt und alles zusammen im besten Licht auf den Sensor gebannt.

Nach zwei Wochen Regen war uns Petrus an diesem Wochenende gnädig und bescherte uns ein absolutes Traumwochenende. So trafen sich neun Foto-Club Mitglieder am frühen Freitagmorgen bei strahlend blauem Himmel im Ballenberg in Brienz BE. Der grelle Sonnenschein ist, fototechnisch eigentlich ein Graus, aber doch Balsam für die Seele. Aber für „schlechtes“ Licht gibt es ja bekanntlich Lösungen. So entschied sich Einer dafür, es werden selbstverständlich im ganzen Bericht keine Namen genannt, sich im ganzen Ballenberg nur nach Formen und Linien umzusehen. Das Ergebnis kann sich sehen lassen. Wer hat denn schon eine Kollektion „Auschnitte-Von-Ballenberg-Hausdächer-Von-Aussen-Und-Von-Unten“, welche er sein Eigen nennen darf? Dass die Clubkasse mal kurzfristig nicht auffindbar war, wird an dieser Stelle übrigens ganz einfach verschwiegen. Schlussendlich war sie ja „nur“ gut verstaut und nicht verloren. Der Ballenbergtag verging wie im Flug, so schnell, dass es keinem auch nur im Ansatz gelungen ist, den ganzen Umfang der Ausstellung zu erfassen. In einem Punkt waren wir uns aber einig, irgendwann in naher Zukunft machen wir uns auf, zu einer wunderschönen „Ballenberg-Foto-Grill-und-Camp-Nacht“, wo dann hoffentlich auch das Licht stimmt. Sabbernde Füchse und bedürftige Nymphomaninnen, welche sich dort angeblich im Wald aufhalten, hin oder her.

Der nächste Halt war Frutigen. Erstmal im Hotel National eingecheckt und eine heisse Dusche genehmigt, wurden die Einen mit einem leckeren Fünfgänger verwöhnt. Andere gaben sich mit der Kinderportion zufrieden. Der Abend war sehr heiter und gemütlich und keiner mochte so recht ins Bett, wäre da nicht der Hintergedanke an den frühen Sonnenaufgang und die bevorstehende Wanderung aufs Stockhorn gewesen.
Bei wiederum bilderbuchmässigem Herbstwetter haben wir einmal mehr einen beneidenswerten Tag in den Berner Alpen verbracht. Während die Einen Enzian fotografierten, labten sich Andere an typischen Berner „Merängge“ und wiederum Andere fotografierten willkürlich Touristinnen, welche zufällig unseren Weg kreuzten. An dieser Stelle, ganz herzliche Grüsse an Berta ins Bernbiet. Schlussendlich gab es dann auch noch die, welche nach einem kleinen Nahtoderlebnis im Hochgebirge einen Sinneswandel vollzogen und sich fortan der Algenfotografie verschrieben haben. Auch noch lobend zu erwähnen wäre da einer unserer älteren Teilnehmer. Wenn es Vereinsmitglieder gibt die geglaubt haben, dass der rüstige Rentner nur dank technischer Hilfsmittel rüstig sei, wurde eines Besseren belehrt. So bewies der nicht unbekannte, stramme E-Biker, dass er die 1000 Höhenmeter zum Stockhorn auch ganz ohne Akku spielend meistern konnte. Nur der Hunger hatte ihn unterwegs etwas geplagt, auf der Alp, aber der Grund hierfür lag natürlich ganz klar, bei eben genau diesem Kindermenue vom Vorabend. Gottseidank war der anschliessende Brunch auf dem Gipfel reichlich und vom feinsten.

Das eigentliche Highlight folgte mit der Dämmerung. Mit etwas müden Beinen machten wir uns auf den Weg ans Open-Air. Eingeladen vom Verein „Kander Kultur“, war der Foto-Club Appenzellerland Gast am Patent Ochsner-Konzert in Frutigen. Ausgestattet mit Crew-Pässen stürzten wir uns VIP-mässig ins Getümmel und vor die Bühne. Mit Sicherheit ein ganz besonderes Erlebnis, so nah bei der Band zu sein. Streetfotografie, Bühne mit künstlichem Licht, Dunkelheit gemischt mit grellen Scheinwerfer, Bewegung im Bild und ein Blitzverbot, viele Faktoren welche Fotografieren sehr schwierig, zum Teil fast unmöglich machten. Alle kramten ihre lichtstärksten Objektive hervor und gaben ihr Bestes. Ich denke die Ergebnisse dürfen sich sehen lassen. An dieser Stelle ein ganz herzliches Dankeschön an den Verein „Kander Kultur“ rund um Reto Grossen und seine Crew sowie an Patent Ochsner, welche uns einen absolut tollen Abend ermöglicht haben. Vielen lieben Dank, ihr seid grossartig.

Vor der Heimreise durften wir uns noch quer durchs „Schoggisortiment“ des Hotel National prob..o..grafieren. Viele haben schnell gemerkt, Produktefotografie ist wieder ein ganz neues Thema. Fotografisch und vor allem „Set-Technisch“ sehr anspruchsvoll. Vielen lieben Dank an die Gastgeber Philipp & Julia Blaser. Wir wurden sehr herzlich empfangen und ausgiebig verwöhnt in den drei Tagen. Ich bin mir ziemlich sicher, irgendwann kommen wir wieder.

Die Heimfahrt haben dann auch Alle mehr oder weniger gut überstanden, obwohl diese nicht ganz jedem bekommen ist, wie man so munkeln hört. Aber auch bei der allerbesten „Schoggi“ sollte man vielleicht doch seine eigenen Grenzen kennen und respektieren. Aber wie heisst es so schön, wenn sie nicht gestorben sind, so fotografieren sie noch heute.
Viel haben wir erlebt und hoffentlich war für Jeden etwas dabei, an diesem, Entschuldigung ich muss es noch ein letztes Mal loswerden, traumhaft schönen Wochenende. Mir wird die Zeit mit Euch allen noch lange in Erinnerung bleiben. Herzlichen Dank für die gute Gesellschaft und die tolle Zeit.

….getoppt werden kann das Ganze eigentlich nicht. Unmöglich! Vielleicht, allerhöchstens vielleicht durch eine Clubreise nach Riga im Jahr 2020, aber das, ja das ist eine ganz andere Story.

Euer Oli

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