Bild von Beat Simbürger

Fotoreise vom 8.-15. Februar 2020

Tromsö – Polarlichter

 Die Polarlichter – oder Aurora borealis, wie der Fachausdruck dafür heisst – erfreuen sich immer grösserer Beliebtheit. Daher mussten wir unsere Fotoreise auch bereits im Sommer 2019 buchen, damit es noch ausreichend Hotelzimmer und Flüge gab. Wir, das ist eine Gruppe von acht Fotobegeisterten unseres Clubs, allen voran unser Guide Urban Thaler, und ausserdem Claudia Köhler und Svetlana Malinina sowie Beat Simbürger, Thomas Engel, Daniel Steiger, Uwe Schaefe und Wilfried Lux.

Am 8. Februar 2020 war es dann soweit. Pünktlich um 8 Uhr traf sich die Gruppe am Zürcher Flughafen, zwei Stunden später starteten wir dann in Richtung Tromsö im Norden von Norwegen. Vier Flugstunden später landeten wir auf dem dortigen kleinen Flughafen. Mit zwei Mietwagen fuhren wir in die Stadt, wo wir unser Hotel bezogen. Spätestens beim Abendessen wurde allen klar, dass essen und trinken in Norwegen kein billiger Spass ist, selbst für Schweizer Verhältnisse. Urban, der selber bereits oft vor Ort gewesen war und auch professionell Reisegruppen geführt hatte, informierte uns über die Situation. Um die Lichter zu sehen, muss es sowohl Aktivität von Nordlichtern haben als auch gute Sicht, d.h. vor allem keine Wolken. Beides war an diesem Tag sehr zweifelhaft. So machte sich nur eine kleine Gruppe, der harte Kern, auf den Weg – die anderen, ich eingeschlossen – gingen erst einmal schlafen, um sich für die Woche zu wappnen. Verpasst hatten wir nicht viel, denn es gab an diesem Abend tatsächlich noch nicht viel zu sehen.

Am Sonntagvormittag fuhren wir nach Tisnes in der Nähe von Tromsö, wo in einem schön gelegenen Fjord ein altes Schiffswrack liegt – Grund genug, einige Stunden dort zu verbringen und Fotos zu machen. Abends brach dann erstmals die ganze Gruppe auf, um Nordlichter zu sehen. Die Vorhersage war mittelmässig gut, aber wir waren voller Optimismus und neugierig, die Lichter zu sehen. Wir hatten Glück, denn am Ersfjord gab es überraschend viele, die deutlich sichtbar über dem Wasser und den Felsen ihr Licht zeigten. Alle freuten sich, die ersten Fotos machen zu können. Interessant war noch, dass man mit blossem Auge bei mässiger Aktivität nur einen hellen Streifen am Himmel erkennt. Die grüne Pracht der Lichter zeigt sich erst, wenn man ein Foto macht.

Polarlichter - Bild von Wilfried Lux
Polarlichter – Bild von Wilfried Lux

Am Montag ging es dann zum Skulsfjord. Am Weg bemerkte Thomas plötzlich etwas im Wald neben der Strasse. Als wir anhielten, sahen wir drei Elche, die uns aus sicherer Entfernung beobachteten und keine Anstalten machten, sich uns zu nähern. Alle Versuche, sie zu fotografieren, scheiterten an den zahlreichen Bäumen und der Vorsicht der Elche. Weitaus erfolgreicher waren wir dann etwas später, als wir auf eine Herde Rentiere stiessen. Mit Brot ausgerüstet, schlossen wir Freundschaft mit ihnen und konnten sie in aller Ruhe fotografieren. Nach einigen weiteren Fotostopps kehrten wir zurück nach Tromsö. Das Wetter war wieder schlechter geworden, somit legten wir am Abend eine Pause ein.

Die grössten Distanzen legten wir dann am Dienstag zurück. Nach dem Frühstück – übrigens ein sehr reichhaltiges Buffet mit Fisch, Fleisch, Wurst, Käse und Eiern, das kaum Wünsche offen liess – brachen wir auf nach Sommaroy, das sich etwa eineinhalb Stunden westlich von Tromsö befindet. An einem Strand mit Sand und Felsen machten wir Station und konnten die Bewegung des Wassers festhalten oder auch mit Graufiltern  glatte Oberflächen zaubern. Das ganze wurde umrahmt von wunderschönen Bergen und Felsstrukturen. Unsere Fahrt führte uns über eine Brücke zu einer vorgelagerten Insel, die ebenfalls durch schöne Fjorde und Felsstrukturen bestach. Die zahlreichen Ferienhäuser liessen unzählige Touristen vermuten, die im Sommer hier ihre Ferien verbringen. Zurück in Tromsö nahmen wir ein schnelles Nachtessen ein, bevor es dann relativ früh am Abend losging in Richtung Skarsfjord. Dieses befindet sich eine gute Stunde nordwestlich von Tromsö an einer Meeresbucht. An einem abgelegenen Parkplatz warteten wir. Die Vorhersage war ganz gut, die Nordlichter liessen allerdings auf sich warten. Im Laufe des Abends und der Nacht zeigten sie sich zwar gelegentlich, aber insgesamt war die Ausbeute an guten Fotos an diesem Abend eher gering. Um zwei Uhr morgens traten wir dann den Rückzug an, um gegen drei Uhr morgens wieder im Hotel zu sein.

Rentiere von Beat Simbürger
Rentiere – Bild von Beat Simbürger

Ausschlafen, das hiess auf unserer Polarlichtertour Frühstück um 9 Uhr. Am Mittwoch trafen wir uns genau dann, um nachher in die Region von Balsfjorden zu fahren, südlich von Tromsö. Diese Tour führte uns rund um den Fjord vorbei an den Dörfern Hundbergan, Fagernes und Ramfjord. Immer wieder machten wir Station, um das Wasser, Felsformationen oder auch nur einen alten Steg im Wasser zu fotografieren. Wir trafen auf eine deutsche Frau mit zwei Shetland-Ponys, die mit ihrem norwegischen Mann, einem Berufsfotografen, in einem Bauernhaus am Fjord lebt. Die beiden hatten ihr Glück in der Einsamkeit der Fjorde gefunden. Wir trafen auf unserer Reise noch weitere Menschen, die aus anderen Ländern nach Norwegen gekommen waren, um hier zu leben. Alle schwärmten von diesem schönen Land mit viel Natur und Ruhe. Voller Eindrücke kehrten wir zurück nach Tromsö. Wetter leider wieder schlecht, daher keine Nordlichter. Das Problem war unter anderem, dass es ungewöhnlich warm für die Jahreszeit war. Statt der üblichen -10 bis -30 Grad waren es meistens nur zirka Null Grad – schlecht für die Polarlichter, denn bei kälteren Temperaturen gibt es weniger Wolken und daher bessere Sicht.

Bild: Urban Thaler
Bild: Urban Thaler
Bild: Urban Thaler
Bild: Urban Thaler

Am Donnerstag blieben wir in der Stadt, wanderten über die Brücke auf die andere Seite der Stadt und fuhren mit der Gondel hoch auf den Fjelleisen, sozusagen dem Hausberg von Tromsö. Dort wehte ein kräftiger Wind. Wir erkundeten den Hügel, bevor wir dann zur blauen Stunde Fotos von der Stadt und ihrer Umgebung machen konnten. Es wurde kälter und kälter, bis am Ende selbst die Hartgesottensten im Café an der Bergstation einkehrten, um etwas Warmes zu trinken. Abends ging es dann wieder zum Ersfjord, zur gleichen Stelle, an der wir bereits am Sonntag gewesen waren. Auch heute zeigte sich der Nordlichtgott dort wieder gütig, und wir sahen überraschend viele grüne Lichter zwischen Wasser und Felsformaturen. Die Stunden verflogen schnell, bevor wir noch zu einer nahe gelegenen Hochebene fuhren, um dort die Nordlichter zu sehen. Leider kamen Schnee und Wolken ebenfalls mit, so dass die Sicht sehr schlecht war. Nur auf den Fotos waren ein paar grüne Lichter zu erkennen, mit blossem Auge war zwischen all den Wolken wenig zu sehen. Trotzdem, die Ausbeute an diesem Abend war genial, alle kehrten zufrieden ins Hotel zurück.

Am letzten Tag vor der Abreise ging es in Richtung Westen. Am Grotefjord machten wir Station, um Felsen und den Fjord zu fotografieren. Am weiteren Weg zeigten sich kleine Dörfer, die von Schnee bedeckt waren, und gleich daneben der Fjord mit einem kleinen Sandstrand, Bäumen und Felsformationen. Ziel der Reise war Tromvik, das sich als winziges Dorf an der Meeresküste herausstellte, das nicht einmal ein Restaurant oder Café hatte. Schnee und Wind setzten ein, so machten wir uns am frühen Nachmittag auf den Rückweg. Das Wetter wurde schlechter, die Frage war, ob wir abends noch einen letzten Versuch machen sollten, Nordlichter zu sehen. Die Vorhersage war nicht gut, und somit entschieden sich mehr und mehr, keinen weiteren Versuch mehr zu wagen. Alle waren glücklich mit ihren Fotos und stiessen abends mit einem norwegischen Bier darauf an.

Zufrieden und voller neuer Eindrücke brach die Gruppe dann am Samstagmittag auf zum Flughafen, um nach Zürich zurückzufliegen. Ein herzlicher Dank an dieser Stelle gebührt Urban Thaler, der durch seine Erfahrung und sein grosses Engagement wesentlich zum Erfolg dieser tollen Fotoreise unseres Clubs beigetragen hat.

Wilfried Lux